Offene Augen für Gottes Kairos-Momente

Offene Augen für Gottes Kairos-Momente

von Jürg

 

Wie verändert sich dein Blick auf Menschen, wenn du beginnst, sie mit den Augen Jesu zu sehen?

Diese Frage begleitet dich während eines evangelistischen Einsatzes in einer Schweizer Stadt. Seit einigen Jahren werden Christen aus islamisch geprägten Ländern eingeladen, um gemeinsam Menschen aus ihren Herkunftsländern zu begegnen und ihnen die gute Nachricht von Jesus Christus weiterzugeben. Es ist eine besondere Gelegenheit. Du lernst von Glaubensgeschwistern, die selbst in muslimischen Kulturen aufgewachsen sind und erfahren haben, wie Gespräche über den Messias Herzen öffnen können.

 

In diesem Jahr findet ein grösserer Einsatz statt, an dem Menschen aus verschiedenen Gemeinden und Hintergründen teilnehmen. Im Vorfeld gibt es durch CM eine Schulung zum Thema „Begegnung mit Muslimen“. Eine Gruppe von Christen hört aufmerksam zu. Schnell wird deutlich: Das Evangelium ist für alle Menschen dasselbe, doch die Wege zu ihren Herzen können unterschiedlich sein. Menschen aus einer Ehren- und Beziehungskultur begegnen Glaubensfragen oft anders, als du es dir vielleicht gewohnt bist. Wenn du ihre Kultur besser verstehst, kannst du Reaktionen besser einordnen und freier, natürlicher und unbefangener auf sie zugehen. Es entsteht Raum für echte Begegnungen, ehrliches Interesse und offene Gespräche über den Glauben.

 

Nach einer Zeit der Ausrichtung auf Gott, des Gebets und des gemeinsamen Lobpreises gehst du zusammen mit Christen aus verschiedenen Ländern auf die Strassen. Plötzlich nimmst du die Stadt mit anderen Ohren wahr. Ukrainisch. Polnisch. Arabisch. Türkisch und viele weitere Sprachen.

Menschen, an denen du sonst vielleicht vorbeigehen würdest, werden sichtbar. Nicht mehr einfach als Passanten oder Touristen, sondern als Menschen, die von Gott geliebt sind.

 

Besonders bereichernd ist das Unterwegssein im internationalen Team. Menschen sprechen ihre Landsleute in ihrer Muttersprache an, und oft öffnet allein das bereits Herzen und Türen. Bei solchen Einsätzen wird immer wieder deutlich, wie wichtig es ist, auf Gottes Führung zu hören. Das bedeutet manchmal zu beten, aufmerksam zu sein, zu warten und dann mutig loszugehen. Du bist mit einer Teilnehmerin oder einem Teilnehmer aus dem Nahen Osten unterwegs, als ihr im Vorbeigehen auf ein Ehepaar aufmerksam werdet. Ihr vermutet, dass die beiden aus derselben Volksgruppe stammen könnten, und sprecht sie an. Aus der kurzen Begegnung entwickelt sich zunächst ein Gespräch über ihre Kultur und schliesslich über den Glauben. Am Ende dürft ihr sogar für ihre persönliche Situation beten.

 

Solche Momente erinnern daran, dass Gott immer wieder Impulse schenkt. Die Aufgabe besteht nicht darin, alles zu planen oder zu kontrollieren. Viel mehr besteht sie darin, aufmerksam zu bleiben, seinen Impulsen zu vertrauen und die nächsten Schritte gemeinsam mit ihm zu gehen.

 

Was bleibt von dieser Zeit?

 

Es braucht keinen besonderen Outreach und keinen grossen Einsatz, um mit offenen Augen und einem hörenden Herzen durchs Leben zu gehen. Überall begegnen dir Menschen, die Gott bereits vorbereitet hat und die dankbar sind für Aufmerksamkeit, Interesse und ein offenes Gespräch. Gerade Menschen aus anderen Kulturen erlebst du nicht selten als überraschend offen und dankbar für echte Begegnungen.

 

Deshalb ist es immer wieder gut, zu lernen, gelassen und gleichzeitig aufmerksam zu bleiben – bereit für die Kairos-Momente Gottes, die mitten im Alltag auf dich warten. Vielleicht beginnt die nächste besondere Begegnung bereits heute.

  

Direkt vor deiner Haustür.

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